Pharisäer – Nominalismus – Hunger – Kornfelder

Gedanken zu Markus, 2,22  9.Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

 

Papst Franziskus beschreibt den Nominalismus, der die Pharisäer prägt in seiner Schrift „Korruption und Sünde“ als korruptes Verhalten.
Beeindruckend und gerade für die heutige Wirklickeit passend, fasst er die negativen Strömungen, denen Jesus ausgesetzt war, als korrumptive Herangehensweisen zusammen.

Warum?

Sie haben vielleicht in die letzten Tagen und Wochen mit der  Einkommenssteuererklärung verbracht.
Haben Sie alles richtig gemacht?
Alle Vorschriften, alle Neuerungen bis aufs Kleinste beachtet?

Oder sind Sie unsicher?
Sind Sie genötigt Dinge zu tun, die sie nicht richtig verstehen?

Oder haben Sie sich erst gar nicht dem Problem zugewandt, sondern eine Fachfrau, einen Fachmann beauftragt,  dieses lästige und zeitaufwändige Projekt für sie zu erledigen?
Ist doch verrückt:
Es braucht spezielle Berufe, um ansatzweise zu erklären, was im Bezug auf die Steuer ‚richtig und falsch‘ ist.

Ich behaupte,
dass die Regelungen zum Steuersystem stark nominalistische Züge tragen.
Bedauere die armen Menschen, die sich mit den ‚überaus vielen und ‚hochinteressanten‘ Fakten‘ beschäftigen müssen.
Die gehalten sind, soviel einzusparen wie möglich.
Da heisst: Misstrauisch zu sein:
„Der Steuerzahler versucht soviel rauszuholen wie möglich!“
„Wie die Großen (die selten verurteilt werden oder erst gar keine Steuen zahlen) findet er Wege, die nicht ganz ehrlich sind…“

All das fordert der Nominalismus heraus.

Man fühlt sich nicht gut.
Man ist sich fast sicher, irgendetwas falsch gemacht zu haben.
Weiss aber nicht genau, was.
Man braucht Spezialisten, um einigermaßen sicher zu sein.
Man verschwendet Lebenszeit mit der Auflistung von vergangenen und oft schon abgeschlossenen Sachverhalten –
bestenfalls kommen nostalgische Erinnerung hoch.

Papst Franzikus bezeichnet den Nominalismus
der Pharisäer als korrupt.

„Fünfe gerade sein lassen!“ – wird als generelle Lebenseinstellung bestimmt nicht weiter führen – aber vielleicht als hin und wieder ein gesetze Haltung,
die sich in den Entscheidungen niederschlägt.

„Sünde ja – Korruption nein!“ – nennt es der Papst.
„Seien Sie mutig!“
„Probieren sie etwas aus.“
„Gehen Sie ungewohnte, unbekannte Wege.“

Oder:
„Wollen Sie immer völlig, 100 prozentig, korrekt zu ihren Enkelkindern sein?“
„Drücken sie nie ein Auge zu?“
„Beurteilen Sie den Hilflosen, den der der Sprache nicht mächtig ist,
den, der vom Schicksal und Krankheit gezeichneten ist,
genau so wie den gebildeten, sicher auftretenden, vitalen, erfolgreichen Finanzminister?“

—-

Was ist nur aus dem Gebot des Buches Deuteronomium geworden?

Da steht:
„Achte den Sabbat. … Am siebten Tag sollst du ruhen.“
Weitsichtig wird die „Ruhe“ gerade für den Ärmsten,
für den, der ausgebeutet wird, eingefordert.
Der Arme nimmt in der Lesung sogar den größeten Raum ein!

Und was ist daraus im Verlauf der Jahrhunderte geworden?
Ein nominalistisches Regelwerk, das weitverzweigt alle Eventualitäten nennt,
das kleinlich oder besser ‚korrintenkackerisch‘ alle Details des Lebens versucht aufzählen.
Immer lebt man in Angst, irgendetwas nicht richtig zu machen,
etwas vergessen zu haben.
Oft wird man genötig,  gegen sein Herz zu handeln,
weil die Handlung ‚an diesemTag’ verboten ist.
Der Nominalismus macht die Wächter über die Gebote groß,
bläht sie auf, beschert den Pharisäern -nicht nur – der Bibel die ersten Plätze und Respekt.

Jesus geht am Sabbat mit seinen Jüngen durch Kornfelder.
Sie haben Hunger.
Sie warten nicht, bis der Sabbat vorbei ist, sondern reißen Ähren ab.
Ihr Bauch ist Ihnen näher als der Kopf,
als das Gelernte, als das nicht Verstandene.

Und die Pharisäer?
Sie haben es nicht nötig, ihre Anklage zu begründen.
Sie verurteilen einfach.
Sie haben Ziele im Blick, die mit der Sanktionierung der konkreten Handlung überhaupt nichts zu tun haben:
„Jesus muss weg!“

Und wir?
Wenn wir Forderungen aufstellen muss der praktische Nutzen der Regeln erkennbar und nachvollziehbar sein.
Wenn wir Forderungen aufstellen, müssen sie klar und verständlich begründet sein.

Ach, ich wäre jetzt gern mit Jesus in irgendeinem Kornfeld unterwegs!

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