Gedanken zum 15. Sonntag B: Amos, Jesus und der Wanderstab…

Hier die biblischen Texte, die folgende Gedanken inspiriert haben:

Lesung aus dem Buch Amos
In jenen Tagen sagte Amazja, der Priester von Bet-El, zu Amos: Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot, und tritt dort als Prophet auf!
In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden; denn das hier ist ein Heiligtum des Königs und ein Reichstempel.
Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen.
Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.
Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.
Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

„Geh, zieh dich zurück!“
„Du bist hier nicht erwünscht.“
„Wir brauchen deine Meinung nicht, 
wir lassen uns nicht von dir verunsichern!“
„Du nervst, du störst, stellst unser Leben, unsere Kultur und unseren Glauben in Frage!“
„Du irritierst und spaltest die einfachen Leute!“

Schwestern und Brüder,
so schallt es Amos, dem von Gott gerufenen Proheten, entgegen.

Erinnert Sie das an etwas, was Heute aber tausendfach geschieht?

„Hier ist unser Reichsaltar!“
In zehn Jahren, wenn es so weiter geht, wird man vielleicht (wieder) sagen: ‚Hier ist unser Reich!‘
„Fremde haben da nichts zu suchen!
„Ab, Amos, flüchte ins Land ‚Juda‘. Iss dort dein Brot und lass uns in Ruhe.“

Heute heisst es:
„Abschieben, gleich an der Grenze!“
Und wenn nicht möglich:
„Transitzentren, gleich an der Grenze.“
Noch besser:
„Flüchtet woanders hin!“ “ Hier gibt es nichts zu holen.“

Wir sind zwar so ziemlich das reichste Land der Welt, aber unsere Sozialkassen können nie und nimmer mehr belastet werden.
Schon komisch, wie das Geld in unserem Land verteilt ist. Und wer eigentlich Verantwortung für Menschlichkeit tragen sollte.
Schon komisch, dass solche Denkmuster in unserem Land möglich sind:
„Unser Recht, unsere Rechtsstaatlichkeit hat Vorrang vor Deinem Menschenleben!“

Und was sagt Amos aus der Bibel?
„Der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt.“

Schwestern und Brüder,
hat der „Herr“ die ‚Migranten‘ aus ihren Heimatländern weggeholt?

Oder wurden sie vertrieben von korrupten Politikern mit Produkten unserer Waffenindustrie, die HIER Arbeitsplätze garantieren?
Oder wurden sie vertrieben von UNSEREN Lebens- und Ess-gewohnheiten,
die die Erderwärmung vorantreibt und ein Leben in der Heimat verunmöglicht?
Oder wurden sie vertrieben von UNSEREN Konzernen, 
die den Menschen in Afrika oder auf den Fidschiinseln  z.B. das ‚Grundrecht auf Wasser‘ vorenthalten, um es tausende Kilometer weiter zu vermarkten? Sehr exotisch!
Dabei brauchen wir nur den Wasserhahn aufmachen, solange es diese Konzerne nicht schaffen, auch UNS das ‚Grundrecht auf Wasser‘ mit Hilfe unserer Volksvertreter abzusprechen…

Schwestern und Brüder,
als ‚Viehzüchter‘ hatte Amos bestimmt einen Wanderstab dabei.

Ein Hilfsmittel,
dass Jesus denen zuspricht, die er aussendet.
Die ER selber auf den Weg bringt.
Die ER selber mit Vollmacht ausstattet.
Die ER nicht allein ziehen lässt,
nicht einsam, nicht selbstbezogen auf sich, sondern zu zweit.
Im Gegenüber. Sich korrigierend. Sich streitend. Sich motivierend.

Und DIESE haben den Wanderstab, der sie daran erinnert,
sich nicht festzusetzen sondern unterwegs zu bleiben.

Der Stab ist bis Heute geblieben.
Er erinnert dass wir eine Religion der Wege sind.
Nicht sesshaft.
Nicht an Häuser, nicht an Kirchen gebunden.

Die Ausstattung, die Jesus den Seinen nahelegt:
So wenig wie möglich.
Fast Nichts.
Alles andere macht schwerfällig.
Wer nichts mitnimmt, muss auf nichts aufpassen.
Wessen Koffer leicht ist, der legt längere Wege zurück.

Die Plastiktüten,
der Menschen, die nicht im Mittelmeer ertrunken sind, sind fast leer.
Trotzdem oder gerade deswegen geben sie die Hoffnung nicht auf.
Auch wenn Sie es nicht schaffen und am Ende in die „sichere Heimat“ oder in die Folterlager der lybischen Wüste ‚zurück geführt werden‘.

Schwestern und Brüder,
diese Rückgeführten sind Jesus näher als die,
die Rückfühungen veranlassen oder die sie durchführen MÜSSEN.

Die unser vermeintliches Recht und unseren Wohlstand schützen.

Es braucht es Mut, sich zu entscheiden:
„Wofür stehe ich?“
„Wofür lebe ich?“
„Was ist mir wichtig?“
„Hat ein Menschenleben Vorrang vor meinem Privateigentum?“

Es brauch Mut, Sachen zu lassen:
Gegenstände die unbeweglich machen,
Masterpläne und auch Kirchengesetze, 
die Menschen ausgrenzen und spalten.
Strukturen, die nicht MIT, sondern GEGEN andere mit viel Aufwand aufrecht gehalten werden.

Je mehr sich ansammelt, umso mehr gilt es zu schützen, zu bewahren und zu verteidigen.
Zäune um solche Festungen sind hoch, Eisengitter dicht, Schlösser dick,
die Abwehrmechanismen beeindruckend oder Abstand gebietend.
Und:
Man braucht Wächter um sie zu schützen.
Man braucht Gewalt, um ‚diese Art Schutz‘ durchzusetzen.
Man braucht Gewissenlosigkeit, Skrupellosigkeit,
um Menschen offenen Auges ertrinken zu lassen.

Jesus braucht „nur“ Menschen, die mit einem Wanderstab unterwegs sind.

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