Weisheit: Salomon, Sokrates …

Gedanken zum 20. Sonntag im Lesejahr B
Sprichwörter 9,1-6

Lesung aus dem Buch der Sprichwörter
Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen.
Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt.
Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg:
Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie:
Kommt, esst von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte.
Lasst ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben, und geht auf dem Weg der Einsicht!

Was verbinden Sie mit Weisheit?

Mir fallen dazu antike Denker ein.
Vor allem Sokrates, der ungefähr 400 Jahre vor Christus lebte.

Er meint, ein Leben ohne ‚Selbsterforschung‘ sei nicht lebenswert.
Ein gutes Leben kann nur führen, wer herausfindet, was „Gut“ und „Böse“ ist.
Da das ‚absolute Begriffe‘ sind, kann jeder sie durch Fragestellungen herausfinden.

Sokrates begründet die „Dialektische Methode“ –
ein Gespräch zwischen ‚Spruch und Widerspruch‘.
Dabei hinterfagt er die gebenen Werte und zeigt keinen Respekt vor feststehenden Überzeugungen.
Er ist davon überzeugt, dass nicht das Wissen, sondern das Fragen bedeutsam ist.
Und die Erkenntnis: „ich weiss, dass ich nichts weiss!“

Ein Gepräch, von ihm geführt könnte so lauten:
Skeptiker: „Du denkst, die Götter wissen alles?“
Anderer: „Ja, denn sie sind Götter!“
Skeptiker: „Widersprechen manche Götter einander nicht?“
Anderer: „Natürlich tun sie das. Sie streiten unentwegt!“

Skeptiker: „Sie streiten auch über das, was wahr und richtig ist?“
Anderer: „Ich denke schon!“
Skeptiker: „So können sich die Götter bisweilen irren?“
Anderer: „Ich denke, das ist wahr.“
Skeptiker: „Also können die Götter gar nicht alles wissen!“

Für solche Methoden wurde er genötigt,
den Schierlingsbecher zu trinken und in den Tod zu gehen.

Da haben die Monotheisten es einfacher,
denn es gibt keine streitenden Götter.
Nur einen.
Dafür streitende Menschen.
Weise ist, wenn sie so argumentieren, wie es Sokrates vorgegeben hat.

Weisheit:
Ist der zentrale Begriff der Lesung heute.
In der Spruchsammlung des Königs Salomo,
der von ca. 970 – 931 vor Christus regierte, finden sich zu jeder Lebenslage Anregungen: Im Umgang mit Alkohol, Frauen, törichten und weisen Menschen.

Das Buch der Könige berichtet,
dass er zu Beginn seiner Amtszeit im Traum einen Wunsch von Gott frei hatte:
Salomo wünschte sich Weisheit.
Und die macht ihn berühmt und seine Regierungszeit erfolgreich.
Er baut den Tempel,
verfasst literarische Werke (zwei davon finden den Eingang in die Bibel),
befestigt Jerusalem,
unterhält ausgezeichnete Handelsverbindungen mit den Nachbarstaaten
und ist als Gesprächspartner begehrt:
Die sagenumwobene Königin von Saba sucht ihn auf,
um seine Weisheit kennenzulernen.
Nicht nur im Großen handelt er, sondern vor allem im Kleinen:
Da wo es darauf ankommt, tritt er als gerechter Richter auf.

Was ist nach Salomos Vorstellung Weisheit?
Sie handelt. Ist nicht passiv.
Sie baut „ihr Haus“, schafft einen Ort, von dem aus sie handeln kann.
Dieser Ort ist ästhetisch und beeindruckend:
Sie „behaut ihre sieben Säulen“.
Alle Details sind sorgfältig aufeinander abgestimmt.
Nichts wird dem Zufall überlassen.
Die Rahmenbedingungen sind stimmig und können von allen,
die dort streiten, akzeptiert werden.

Weisheit lädt ein:
Sie „schlachtet Vieh“, „mischt Wein“, „deckt den Tisch“ und „sendet Mägde aus“.
Ihr Ort ist nicht ihr alleiniges Zuhause zu dem niemand Zutritt hat.
Sie lässt andere daran teilhaben.
Sie weiß, dass Essen an ihrem Ort mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme.
Sie schafft einen Rahmen, indem Begegnungen geschehen können,
Lösungen gefunden werden.

Wo ist ihr Ort?
„Die Höhe der Stadtburg“!
Nicht in irgendwelche verworrene Niederungen lädt sie ein.
An „der Höhe“ kann man sich orientieren, sie ist richtungsweisend und herausragend.
Sie macht sich nicht gemein mit dem, was alle tun, oder meinen tun zu müssen,
sie zeigt deutliches Profil.

Weisheit umgibt sich nicht mit Ihresgleichen,
sondern wendet sich an Unerfahrene und Unwissende.
Von diesen hat sie im Grunde nicht viel zu erwarten!
Selbstlos lässt sie andere teilhaben an ihrem Leben.
Und sie nötigt niemandem ihre Weisheit auf sondern lädt ein,
den Weg der Einsicht zu gehen.
Den Weg der Einsicht ist das Leben.

Was haben wir von Sokrates und Salomon?
Weisheit heute hat viele Namen und Gesichter.
Manchmal meint man, die Weisheit des Alters nicht viel gelte.
Und das Weisheit reserviert sei für Philosophen und professionelle Denker.

Quatsch!
Es gibt Alltagsweisheit:
Ein weiser Entschluss des Einzelnen;
ein Rat, der vor Schaden bewahrt und die Erkenntnis,
dass jeder seine Weisheit selber erwerben muss.

Wie Sokrates es wusste.
Oder der chinesische Philosoph Meng-zi vor 2300 Jahren:
„Der Weise ist wie ein Bogenschütze. Dieser nimmt zuerst die richtige Stellung ein und schnellt dann den Pfeil ab. Wenn er trotzdem nicht das Ziel erreich, so gibt er nicht den anderen die Schuld, sondern sucht den Fehler bei sich.“

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