Entscheiden

Gedanken zum 22. Sonntag, Lesejahr B
zu: Jos 24, 1-2a.15-17.18b und Joh 6, 60-69

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Entscheidungen wurden getroffen:

Von Petrus und den Aposten bei Jesus zu bleiben,
von Josua und seinem Haus Gott zugehörig zu sein.

Alternativlose Entscheidungen.
Diese Menschen haben ihre Erfahrungen gemacht,
die Entscheidung für Jesus und Gott ist für sie klar und fest,
nie und nimmer werden sie diese dem opfern, was kurzfristig als attraktiv erscheint. Und was fast alle machen.

Zu wem sollen wir gehen? Fragt Petrus stellvertretend. 
Das besagt alles.
Jesus / Gott ist keine Möglichkeit neben anderen Möglichkeiten,
Ihn suche ich mir nicht aus,
ihm muss ich mich nicht erklären, mich nicht vorstellen.

Wenn wir das wissen und mit unserem Kommen zeigen,
wie unsere Grundentscheidung ist,
heißt dass noch lange nicht, dass wir in allen Situationen uns immer wieder so entscheiden.
Manchmal scheint es peinlich zu sein – oder man setzt sich der Gefahr aus, aufzufallen und als ‚komisch‘ zu gelten.
Da hatten es die Menschen der Bibel vielleicht einfacher,
ihr Leben war überschaubarer,
die Möglichkeiten zwischen denen sie wählen konnten geringer.

Entscheidungen:
Manchmal regen sie mich auf:
Wenn ein Dreijähriger entscheiden soll, ob die Familie rechts oder links um den Teich laufen soll; 
wenn jemandem vorgegaukelt wird, er könne entscheiden – aber im Grunde steht schon alles fest;
wenn ich an meine Schwester denke, die Stunden damit verbringen konnte zu überlegen, was sie denn wohl anziehen solle…

Es gibt Menschen, die Zeit ihres Lebens für andere sichere Entscheidungen getroffen haben, aber wenn sie selber betroffen sind, sieht die Welt ganz anders aus!
Mitunter müssen weitreichende Entscheidungen in sehr kurzer Zeit gefällt werden. 
In Notfällen kann das wichtig sein,
aber in den meisten Fällen ist Zeit da, auch wenn sie meist aus wirtschaftlichen Gründen dem Entscheider nicht zugestanden wird.

Im Krankenhaus zum Beispiel. 
Da können gar keine Eingriffe ohne die Zustimmung des Betroffenen oder des Bevollmächtigten erfolgen. (Wenn kein Notfall vorliegt.)

Wie können wir tragfähige Entscheidungen fällen?

Das erste ist das Wahrnehmen der Entscheidung.
Bei den Aposteln und Josua lag es klar auf der Hand, 
was sie zu entscheiden hatten. Aber das ist nicht immer so. 
Manchmal gibt es das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas an der Entscheidungssituation nicht stimmt. 
Bevor Sie sich festlegen, klären Sie das!

Bereiten Sie ihre Entscheungen gut vor.
Überlegen Sie, was Sie eigentlich genau entscheiden müssen, 
wie die Entscheidungsfrage heißt.
Gibt es Alternativen? 
Was sind Ihre Handlungsmöglichkeiten? 
Gibt es Dinge, die Sie kurzfristig entscheiden können und andere, 
die mehr Zeit brauchen?
Passen die Entscheidungen zu Ihrem Leben und zu ihren Zielen?

Mit Kriterien abwägen.
Was ist Ihr erster Impuls? 
Was sagt Ihr Bauchgefühl?
Steht die Entscheidung in Übereinstimmung mit Ihren Grundwerten?
Wem nützt sie?
Gibt es Pro- und Kontraargumente?
Bekommen Sie durch das Ergenbis neue Energie?
Sind Sie sich selber gegenüber ehrlich – oder schieben Sie etwas vor? Meinen Sie ‚etwas machen zu müssen‘?

Versetzen Sie sich in die Handlungsmöglichkeiten.
Gibt es Ergebnisse, die klar herausfallen, 
die Ihnen keinen Frieden geben? 
Oder umgekehrt: Bei welchem Ergebnis fühlen Sie sich wohl, was spricht Ihnen aus dem Herzen?

Wenn Sie so weit sind, dann schlafen Sie eine Nacht darüber. 
Legen Sie sich nicht vorschnell fest.

Durchdenken Sie am nächsten Tag die Situation noch einmal 
und legen Sie sich fest. 
Treffen Sie die Entscheidung entschlossen. 
Und fragen Sie sich, nach einiger Zeit, welche Auswirkung die Entscheidung hatte.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Jünger die Jesus verlassen hatten, wollten sich ein Hintertürchen offenlassen. 
Sie wollten sich ihren Jesus so zurechtbiegen, dass er in ihr Leben passt. Dass Sie sich nicht verändern müssen.

Jesus verschärft diese Situation noch. 
Er kämpft nicht um sie, will sie unter allen Umständen halten. 
Im Gegenteil: Er sagt: ‚Daran nehmt Ihr Anstoss‘?
Was wird erst geschehen, wenn sie tieferen Einblick erhalten?

Was wird mit uns geschehen?

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