König?

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
In jener Zeit
fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?
Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?
Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.
Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

‚Barfuß oder Lackschuh,
alles oder nichts?
Leg ich mir nen Frack zu,
oder komm ich vor Gericht?
Barfuß oder Lackschuh,
so geht es bei mir zu!
Nie die goldene Mitte,
immer volles Risiko!‘

Besang 1990 Harald Juhnke sein Leben.
Ein Künstler der Extreme. Geniale schauspielerische Leistungen wechselten sich mit Sucht-Abstürzen ab, die öffentlich zelebriert wurden.
Beim Film der Trinker vermischten sich die Extreme.
Selbst als diese Katastrophen zu Juhnkes Alsheimer Erkrankung führten und er keine Chance mehr für den ‚Lackschuh‘ hatte,
lies man ihn nicht in Ruhe, bis er tot war …

Dreißig Jahre später beschreibt ‚Barfuß oder Lackschuh‘
den Zustand der Welt:

Gewinner und Verlierer.
Herrscher und Sklaven.
Promis und Penner.
Arme und Reiche.
Oben und unten.

‚Barfuß oder Lackschuh‘:
Das kennen wir.
Das erleben wir.
Wenn nicht bei uns selber,
dann aber doch im Privatfernsehn, in den Blättchen…

Bei uns persönlich ist es nicht ganz so krass wie z.B. bei Juhnke.
Meistens wechselt es immer wieder:
Mal ist unsere Lebens-Wagschale Oben – mal ist sie Unten…
Im Grunde pendelt Sie ‚Hin und Her‘
und sich dann bestenfalls in der Mitte ein…
Unsere Welt:
Hier ein Vorteil, da ein Nachteil,
hier ist es gut gelaufen, da gibt es nur Umwege.

Muss dass so sein?
Eine ‚Barfuß oder Lackschuh‘ – Welt?
Gibt es eine andere?
Im Sinne der Bergpredigt?

Der,
der Frieden, Ausgleich, Gerechtigkeit, Solidarität will;
der den Blick über unseren eigenen Horizont hinaus fordert;
der einfach nur Menschlichkeit lebt;
der, der das Göttliche in jedem Menschen sieht:
Der steht im heutigen Evangelium ganz Unten.
Barfuß. Meilenweit vom Lackschuh entfernt.

Er ist der Freiheit beraubt.
Kann nicht gehen, wohin er will.
Ist von Grenzen eingeschnürt, die eigene Wege verunmöglichen.

Gefangener der Römer.
Ausgeliefert von den Machern seines Volkes:
Wirklich: Ganz Unten.
Mehr Barfuß geht nicht.

Klein und schäbig steht oder kniet er
vor dem hoch-herrschaftlichem Thron des Repräsetanten
des mächtigsten Mannes der Welt.
Dem, der alle menschlichen Maßstäbe festlegt. 
Ein ganzer ‚Lackschuhmensch‘.

Diesen Barfußmenschen,
dieses Gegenteil von einem König –
bezeichnen wir als unseren König.
Zumindest hier jetzt in dieser Messe.

Auch der ‚Lackschuhmensch‘ Pilatus bezeichnet ihn als König.
Fragt: „Bist du ein König?“

Warum?
Will er ihn vespotten, ihn demütigen?
Macht er sich lustig über ihn?
Hat er so eine geringe Meinung von den Juden, dass er einen strafgefangenen Obdachlosen als deren König ansieht?

Wie reagiert Jesus?
Nicht wie ein stotterndes, schlotterndes Opfer.
Nicht wie jemand, der ganz am Boden ist, dem die Nerven blank liegen.
Nicht wie einer der meint, noch seinen Kopf aus der Schlinge ziehen zu können, wenn er nur geschickt genug ist.

Jesus begegnet Pilatus.
Und zwar genau so, wie er dem Bettler Bartimäus begegnet.
Souverän. Ausgeglichen. Auf Augenhöhe.
Er spielt das übliche ‚Barfuß oder Lackschuh‘ Spiel nicht mit.

Hast du eine eigene Meinung, Pilatus?
Plapperst du nach, was man dir erzählt?
Suchst du immer die schnellste, die lauteste, die einfachste Lösung?
Oder – meinst du wirklich ernst was du fragst?

Pilatus reagiert irritiert. Ganz anders als in ähnlichen Situationen.
Braucht einen Augenblick bis er sich fängt, bis er wirder Oberwasser kriegt.
Er scheint zunächst abzulenken:
„Dein Volk, deine eigenen Hohen-Priester haben dich ausgeliefert.“
Pilatus ist mit seiner Antwort nicht bei Jesus.
Er ist mit seinem eigenen Status beschäftigt.
Ihn interessiert, wer für diese Misere zuständig ist.
Wer Schuld daran hat.
Wer ihm dieses Bauernopfer vor die Füße wirft.
Ja, die Hohenpriester wollen ihn herausfordern seine Souveränität angekratzen.

„Ich bin kein Jude!“
Ich gehöre nicht dazu. Ich bin anders.
Bricht es aus ihm heraus.

„Dein Volk. Deine Hohenpriester.“
Pilatus klingt immer zorniger.
Ich will das doch gar nicht! Ich bin genauso Opfer wie du.

Dann bittet Pilatus:
Hilf mir zu verstehen, warum wir beide in dieser Situation sind:
„Was hast du getan?“

Jesus nimmt ihn ernst.
Königlich antwortet er und gibt dem Herrscher die Chance,
zu verstehen.
Ein Rollentausch.
Aber nicht in dem üblichen Sinne:
Aus dem ‚Lackschuhträger wird ein Barfüßiger‘.
Das ist nicht die Welt Jesu.

Er beschreibt sein Königtum:
Es ist da, um ‚Wahrheit’ in die Welt zu bringen.
Nicht das Übliche: Geld, Macht, Einfluß macht sein Königtum aus.
Wahrheit ist das Kriterium für das Königtum Jesu Christi.

Damit bringt er Pilatus zum stottern.
„Was ist Wahrheit?“

„Was ist Wahrheit?“

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