Johannes der Täufer- Gedanken zum dritten Advent

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer:
Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.
Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Es gibt Menschen, die nirgendwo hin passen.
Die in der Regel ‚links liegen‘ gelassen werden.
Mit denen keiner etwas zu tun haben möchte. Menschen am Rand der Gesellschaft. Manchmal werden sie darüber krank.

‚Systemsprenger‘ nennt man sie oder ‚Extremindividualisten‘.
Keine schönen Worte.
Sie schaffen Abstand und Distanz.
‚Die sind nicht so wie wir!‘:
Am besten einen weiten Bogen machen.
‚Mit unserer Art zu leben haben die nichts zu tun.“
Also darauf herab schauen.

‚Individualist‘:
Hört sich eigentlich gut an:
Jemand der seine eigenen Wege geht, der nicht mit der Masse schwimmt. Seinen eigenen Kopf hat. Vielleicht etwas stur ist. 
Aber auf jedenfall jemand, an dem man sich reiben,
vielleicht auch orientieren kann.
Nur wenn Der zu extrem wird – kippt es.
‚Sprenger‘:
Einer, der was sprengt; besser aufsprengt und in Bewegung bringt.
Einer der in schweigende Runden lebendig macht.
Einer der sich aus dem Fenster legt, was riskiert.
Einer der über sich selber lacht, sich nicht so wichtig nimmt.

Aber wenn Der das ganze System sprengt? 
Sich nicht mehr einfangen lässt, sich an keine Regeln hält?

Zur Zeit Johannes des Täufers war die Religion tödlich langweilig.
Wie eine bleierne Decke legte sie sich über das Leben der Menschen…
Alles war geregelt, alles wurde religiös durch die Pharisäer bestimmt.
Sie legten den Menschen ein enges ‚Glaubens-Korsett‘ an
dass ihnen die Luft zum Atmen und freien Denken nahm.
Man musste aufpassen, was man sagte und ja alles richtig machen…
Ein echter Religionsstreß.

Von Abraham, Mose und Elija wusste man irgendwie noch.
Aber deren Glaubenskraft, Energie und Lebendigkeit
hatte mit dem normalen Leben nichts zu tun.

David und Salomon waren übergroße Könige,
mit so bombastischen Glauben und übergroßer Weisheit, die sowieso kein Mensch erreichen konnte.

Das Chaos des Exils war weit weg.
Die schreckliche Entfernung vom Tempel,
dass im Glauben auf sich selber gestellt sein…

Und über Pilatus und den Kaiser in Rom konnte man sich ärgern und lästern – aber letztlich garantierten sie die Sicherheit im Land.

Da tritt dieser ‚Extremindividualist‘ Johannes der Täufer auf.
In einer anderen Lesung wird er uns so vorgestellt:
Als zottelig, ungewaschener Kamalhaarmantelträger,
ein Strick um die Hüften,
eher DROH- als FROHbotschaften ausstoßend.
Heute tritt er als ‚Systemsprenger‘ auf:
Einer, der verändert, nicht alles beim Alten lässt. Neu denkt.
Dem es nicht alles egal ist und der Nichts unwidersprochen hinnimmt.
Er sprengt das festgefahrene Religionssystem.
Raus aus den Tempel – rein in den Jordan!
Und Sie kommen zu ihm.
Er weckt Sehnsucht. Zeigt dass es anders geht. 
Nennt das Kind beim Namen.

Schwestern und Brüder:
Möchten Sie wirklich seine Botschaft hören?
‚Kehrt um!‘
‚Mach ich doch immer mal wieder – aber ganz und gar, alles ändern?

‚Wer zwei Gewänder hat, der gebe eins ab!‘ –
‚Tue ich auch, Humanitas hat schon eine Menge von mir –
aber der meint doch etwas anderes, der Täufer; viel Radikaleres, 
wie Sankt Martin: Konsequent die Hälfte abgeben?

‚Wer was zu essen hat, gebe dem, der nichts hat. –
‚Wir haben unsere Suppenküchen und Armentafeln! –
Aber diese Leute an unseren Tisch einladen, es selber machen?’

‚Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!‘ –
‚Warum nicht mehr verdienen, wenn es gut läuft?
Und: Wer setzt den Preis fest? Der Markt?
Oder wie im Evangelium der Gutsherr, der alle Arbeiter gleich bezahlt und jedem gibt, was er zum Leben braucht?’

Bald geht es einen Schritt weiter:
Dann kommt der Sohn des Gutsherrn,
der nicht mit Wasser, sondern mir Geist tauft.
Er löscht den glimmenden Docht nicht aus und zerbricht das geknickte Rohr nicht…

Extreme Liebe. Aufsprengende Hoffnung. Amen

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