Ausländische Priester in Bayern

Ende Mai habe ich eine eindrucksvolle Dokumentation über ausländische Kollegen gesehen, die in bayrischen Bistümern eingesetzt sind.
Nachhaltig hat mich der Satz beeindruckt, dass diese Menschen in ihren Heimatkulturen wegen ihrer Tätigkeit geschätzt und beliebt waren. Das ist an ihren derzeitigen Arbeitsplätzen völlig anders, hier gelten sie ‚fast Nichts‘.
Dabei versuchen sie auf persönliche Weise, die Situation anzunehmen und den Menschen zu begegnen.

 

Die Sendung lohnt sehr!

 

Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen

Unter diesem Titel findet im Dresdener Hygiene-Museum eine Ausstellung statt.
Ich finde das anfragend, weil ich immer wieder feststelle, wie weit Denken, Sprechen und Handeln vom ‚in Schubladen-Stecken‘ geprägt ist.
Wenn das weiter bedacht wird, findet sich eine Quellen für dieses Denken im Rassismus.
Ich finde die Ausstellung mutig, weil sich das Hygiene-Museum mit seiner eigenen Geschichte auseinandersetzt:
So sollte es in der dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Rassentheorien der Nazis untermauern.

Im Ausstellungskatalog gibt es einen Artikel, der die Geschichte des Rassismus aufgreift und ihn bis Heute wirksam sieht:

  1. Rassismus bezeichnet Zweierlei:
    Eine bestimmte Form des Handelns und eine bestimmte Form des Denkens.
  2. Die geschichtliche Entwicklung zeigt, dass eine Aufteilung in rassistisches Handeln und rassistisches Denken wenig hilfreich ist. Vielmehr führt ein bestimmtes Denken zu Handlungen.
  3. In Zeiten unsicher gewordener Ordnungen und Grenzen und von unsicherer Zugehörigkeit bietet der Rassismus die Möglichkeit, die hergebrachte Zugehörigkeit theoretisch neu zu bedenken und praktisch wieder herzustellen.
  4. Der Rassismus hält ein bestimmtes Wissen darüber bereit, was Menschen tun müssen, um in ihrer Art zu überleben. Dieses Wissen rechtfertigt und leitet zum Handeln an.
  5. Dieses Denken hat wenig mit der Wirklichkeit oder mit der Erfahrungen zu tun, sondern es erschafft ein ‚Bild von der Welt‘, wie sie ‚von Natur aus‘ sein sollte.
  6. Rassistische Weltbilder haben oft den Charakter einer Verschwörungstheorie.
  7. Zunächst war der Begriff ‚Rasse‘ in der Pferdezucht präsent, wurde dann aber auf Menschengruppen angewandt.
  8. Im Mittelalter trat neben der „Reinheit des Glaubens“ auch die „Reinheit des Blutes“, z.B. bei der Re-Christianisierung Spaniens.
  9. Das Konzept der ‚Rasse‘ entwickelte sich. Es wurde ein zusätzliches Kriterium der Feststellung von unübersichtlicher gewordenen Gruppenzugehörigkeiten.
    Es half, eine sozial und politisch unsicher gewordene Ordnung zu stabilisieren und zu vereinheitlichen.
  10. Im 18. Jh. hat der Rassismus rechtfertigende Funktion. Er widerspricht dem Konzept der Aufklärung: Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit,
    der globalen Gleichbehandlung.
    Die Machtverhältnisse zwischen den kolonisierenden Europäern und kolonisierten außereuropäischen Kulturen stehen im Gegensatz zur  Aufklärung.
  11. Im 19. Jh. wird die Ungleichbehandlung durch einen ‚Zivilisierungsauftrag‘ gerechtfertigt, der die Höher- und Minderwertigkeit von Menschengruppen beinhaltet.
  12. Das Prinzip des ‚Konkurrenzkampfes aller natürlichen Evolution‘ wurde von Chrarles Darwin formuliert und später auf Menschen übertragen.
  13. Die Folge ist der ‚Rassenkampf‘ zur Erzeugung von besseren und neuen Rassen. Dieser fordert die Vernichtung  „des Fremden“ oder „des Anderen“.
  14. Die bloße Existenz anderer Rassen wird zur Gefahr, die bekämpft werden muss.
    Die Vernichtungspolitik der Nazis schließt sich an.
  15. Heute ist der Begriff ‚Rasse‘ gesellschaftlich umstritten, aber die Idee,
    dass ‚Andere‘ und ‚Fremde‘ durch ihre bloße Nähe das ‚Eigene‘ gefährden,
    und dass man dem nur durch Ausgrenzung begegnen kann,
    wird mit vielem politischem, medialem und auch wissenschaftlichem Aufwand populär gemacht.
  16. Zu glauben, dass das nichts mit Rassismus zu tun hätte, weil das Wort ‚Rasse‘ nicht auftaucht und man in ‚anderen Zeiten‘ lebt, ist voreilig.
  17. Rassismus ist eine der langlebigsten und anpassungsfähigsten Ideologien der Moderne,

Christliche und soziale Politik: Offener Brief

Eine Aktion, die aus der Seele spricht.
Schon seit Wochen wundere ich mich über den Einfluss, den die Partei am rechten Rand auf die konkrete Politik der CSU zu haben scheint.
Angst ist dabei immer ein schlechter Berater. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Und ‚Hauptsache Wahlen gewinnen!‘ ist im Vergleich zu Haltungen und Werten ein sehr kurzfristiges Argument.
Und so werden christliche Inhalte und Symbole für politische Zwecke besetzt.

Christen und christliche Institutionen merken auf und beschreiben, woran Sie glauben, was ihnen wichtig ist, wie sie die drängenden Fragen, die das Leben stellt, langfristig angehen.

Über 100 Personen und Organisationen haben einen ‚Offenen Brief‘ unterschrieben, den  Dr. Beatrice von Weizsäcker, P Dr. Jörg Alt SJ und Burkhard Hose verfasst haben. Ich veröffentliche ihn hier:

Offener Brief „Kennzeichen christlicher und sozialer Politik“

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Söder,
sehr geehrter Herr Parteivorsitzender Seehofer,
sehr geehrte Parteimitglieder der CSU,
sehr geehrte Wähler*innen,

in den vergangenen Monaten verschärfte sich der Streit darüber, was Merkmale einer christlichen und sozialen Politik sind, und wir befürchten, dass sich dies im Vorfeld des anstehenden Landtagswahlkampfs fortsetzt. Deshalb möchten wir darlegen, was aus unserer Sicht Kennzeichen einer solchen Politik sind – und dies nicht nur wegen des Streits um die Bedeutung des Kreuzes für Religion, Kultur und Gesellschaft.

Eine Politik ist unserer Meinung nach dann christlich und sozial, wenn sie sich verantwortungsvoll an den Realitäten einer zunehmend globalisierten Welt orientiert, diese den Wähler*innen vermittelt,  verkürzende Symbolpolitik ablehnt und christliche, am Evangelium orientierte Werte nicht nur in Parteiprogrammen, sondern auch in konkreten tagespolitischen Entscheidungen zum Ausdruck bringt. Das bedeutet, dass Politik im Namen gesellschaftlicher Solidarität und sozialen Zusammenhalts betrieben werden muss und dabei nicht an nationalen Grenzen enden darf: Bayerische und deutsche Politik muss ihre Folgewirkungen auf benachteiligte Länder mitbedenken. Dies bedeutet ebenso, dass Abwertungen und Ausgrenzungen anderer Menschen, unabhängig von deren Religion, Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung, vermieden werden müssen.

Vor diesem Hintergrund sind wir beispielsweise dafür,

  • dass Flüchtlingspolitik von den Fluchtursachen und nicht von (Ober-)Grenzen her gedacht werden muss
  • dass Schutz Suchende nicht in Krisengebiete abgeschoben werden dürfen.
  • dass Verallgemeinerungen (etwa: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“) durch differenzierende Aussagen zu ersetzen sind.
  • dass der juristischen Tatsache Rechnung getragen wird, nach der laut Artikel 1 des Grundgesetzes die Würde aller Menschen – also auch die von Geflüchteten und psychisch Kranken – unantastbar ist.
  • dass Armutsverringerung auch das Sprechen über Reichtum erfordert und eine angemessene Besteuerung nach Leistungsfähigkeit.
  • dass die Freiheit weniger durch die Abwesenheit von Sicherheit gefährdet wird als durch die Abwesenheit von Gerechtigkeit.
  • dass angesichts der anstehenden komplexen globalen Transformationen und der bayerischen Kassenlage massiv öffentliche Gelder investiert werden sollten, um Bayern zu einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Modellregion zu gestalten.

Mit einer solchen Politik gelänge zudem eine christlich-soziale Profilierung bayerischer Politik gegenüber Populisten und Vereinfachern.

Wir appellieren an Sie: Es ist nicht zu spät, den aktuellen Kurs zu korrigieren.

Hier kann er unterschrieben werden:

Stöbern auf der Website der Jesuitenmission lohnt sehr!

Alexandre Desplat

Auch wenn die genialen Filmmusiken von „Extrem laut und unendlich nah“  – Autor ist Jonathan Safran Froer, und von „Oskar und die Dame in Rosa“  – die Erzählung stammt von Éric Emmanuel Schmitt nicht dabei sind, lohnt diese Reise durch die Filmwelt, die Alexandre Desplat  vertont hat.

Beim ersten Film / Roman sucht ein Junge seinen Vater und will nicht glauben, dass dieser beim Attentat auf das ‚World Trade Center‘ gestorben ist.
Aus dem zweiten Film / Roman wurde hier eine Szene beschrieben, die die Erlebnisse des 10jährigen, an Leukämie erkrankten, Oskar bescheribt.

Lesens-, sehens- und hörenswert.

Ramadan oder Fasten

Heute beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Der Ramadan ist eine vorgeschriebene Fastenzeit im 9. Monat des muslimischen Kalenders.
Das Fasten gilt als eine der fünf Säulen der muslimischen Frömmigkeit.
Zum Ramadan 2013 sandte Papst Franziskus den Muslimen eine Grußbotschaft, in der er zu einer Erziehung der Jugend beider Religionen zu gegenseitigem Respekt aufrief. Unfaire Kritik und Verleumdung seien überall zu vermeiden; man wisse, wie schmerzhaft dies für andere sei. So könne dauerhafte Freundschaft wachsen.
(te deum vom 16.05.2018)

In der letzten Zeit
begleite ich als Pator im Krankenhaus immer mehr auf muslimische Patienten, deren Leben und Erfahrungen mich bereichern.
Ich erlebe oft Solidarität, Zusammenhalt und Miteinander.
Die Muslime sind Mitglieder einer theistischen Religion und man kann von Ihnen lernen.

Zum Beispiel das Fasten:
Wo das Fasten bei uns Christen manchmal asketisch – verhärmt oder kognitiv – katechetisiert oder in Heilfastenzentren mit Glaubersalz praktiziert wird –
und nicht selten dem eignen Ego dient, ist es bei vielen Muslimen anders:Es führt zusammen, schenkt Gemeinschaft, ermöglicht Lebensqualität und Solidarität.

Horst Graebe schreibt in seinem Buch: Mehr vom Islam wissen: