Kudamm ’56 + ’59: Was aus den Menschen raus kommt….

Gedanken zum Sonntag:

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
In jener Zeit
hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf.
Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.
Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt.
Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also:
Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
Er antwortete ihnen:
Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.
Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.
Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.
Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte:
Hört mir alle zu und begreift, was ich sage:
Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,
Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.
All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

Ansprache
Es ist sinnlos, wie sie mich verehren…

Ihr gebt Gottes Wort preis…

Was aus den Menschen heraus kommt, das macht ihn unrein…

Schwestern und Brüder,
es gibt Abende,
da ist man froh, dass es die Mediathek am Fernsehen gibt.
So war es in den letzten zwei Wochen bei mir.
Da gab es aufeinmal sechs Folgen, die ich bei der Ausstrahlung gar nicht wahrgenommen hatte.
Vielleicht haben Sie auch ‚Kudamm 56 + 59‘ gesehen.

Mich hat das berührt:
Weil da starke und mutige Soul Musik vorkommt,
die man Anfang der sechziger Jahre nicht in Deutschland vermutet hätte.
Weil diese Folgen beschreiben,
was Jesus im Evangelium – fast verzweifelt – versucht,
 den Menschen nahezulegen:

Es ist sinnlos, wie sie mich verehren …
Ihr gebt Gottes Wort preis…
Was aus den Menschen heraus kommt ist Unrein …

’Kudamm 56 und ’59:
Das ist gerade gut 10 Jahre vom Ende der Nazizeit entfernt
und findet keine fünf Jahre vor dem Mauerbau in Berlin statt.
Beiden Faktoren: 
Drittes Reich und der ‚real existierende Sozialismus‘ prägen den Hintergrund der ‚Kudamm’ – Folgen:

Die Tanzschule Galant, Mittelpunkt des Filmes, prominent am Kudamm gelegen, wurde der Familie Schöllack 1936 von den Nazis zugesprochen, früher gehörte sie Juden.
Der Musiker Freddie, in der Regel gut drauf und immer für eine verrückte Idee gut, hat als Einziger der Familie Donath das Konzentrationslager überlebt, die schrecklichen Erlebnisse scheinbar völlig verdrängt, bis sie ihn plötzlich gnadenlos einholen und er sich schwer tut, weiter zu leben.
Der alternde Regiesseur Kurt Moser, der in den ’60 Jahren mit der Produktion von Unterhaltungfilmen beschäftigt ist, trauert der ‚arischen Zeit‘ nach, in der er völkische Filme produzierte, die die Überlegenheit der deutschen Rasse beschreiben und diese zum Durchhalten motivierten.
Der Unterschied der Lebensbedingungen zwischen Ost- und Westberlin wird in den Jahren immer gravierender. 
Angefangen bei der hilflosen sozialistischen Unterweisung eines kleinen verstörten Jungen, dessen Mutter nicht dem Gesellschafts-Ideal entspricht, 
bis hin zur gnadenlosen Verhaftung eines homosexuellen Anwalts, der wegen Denunziation am Grenzübertritt nach Werstbertlin gehindert wird…

Nationalsozialismus und Sozialismus haben sich FAST überlebt.
Als sinnlos erwiesen…
Sie haben Gottes Wort preisgegeben…
Und was waren und sind die grauenhaften Folgen:
Was aus den Menschen dieser Systeme heraus kam und kommt bringt Tod und Verderben.

Die Klagen Jesu finden sich in den Chararkteren der Serie wieder:
Catharina Schöllak, Mutter von drei Schwestern, die sie allein aufzieht, hat 1936 die Tanzschule geerbt. 
Sie duldet keine Negermusik in ihren Räumen, weil sie befürchtet, dass sich am Ende ‚ alle wie die Tiere auf der Erde wälzen‘.
Ihr Hauptziel ist, dass ihre drei Töchter gut verheiratet werden: 
Liebe ordnet sie dem Status unter.
Für ihre jüngste Tochter Monika hat sie Verachtung und Ablehnung übrig, weil sie rebelliert, versucht zu leben, wie sie ist, sich nicht zu verstellen. Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit sind für sie entscheidend. Das drückt sie mit ihrer Musik aus und lässt sich nicht in Rollen hinein zwängen. Diese Haltung bereitet ihr viel Leid. Und trotzdem hilft Monika ihrer Mutter immer wieder.
Die älteste Tochter Helga heiratet einen homosexuellen Mann, der als Rechtsanwalt arbeitet und seine Veranlagung nicht unterdrücken kann, obwohl sie unter strafrechtlicher Verfolgung steht. 
Sie versucht ‚heile Welt’ darzustellen, sich als ‚perfekte Hausfrau‘ zu präsentieren, nötigt ihrer kleinen Schwester das unehelich geborene Kind ab, damit ihre Familie nach Außen als normal gilt.
Die mittlere Schwester Eva, Krankenschwester in der Psychiatrie, heiratet den krankhaft eifersüchtigen Chefarzt Dr. Fassbender. In der Nazizeit hat er als Assistenzarzt im Konzentrationslager an Menschen ‚geforscht‘. 
Er verbietet ihr den Führerschein, nötigt sie in eine Rolle, die ihr nicht entspricht…

Die Liste könnte weitergeführt werden…

Ist das Äußere wichtiger als das Innere?
Wie gehen wir mit Gottes Wort um?
Dient das, was aus uns heraus kommt, dem Leben?

Bleibt unser Herz dabei auf der Strecke?

Das wirft Jesus den Pharisäern vor.
Sie verlangen den Menschen Äußerlichkeit ab.
Religion wird zur Pflichtübung. Zum Abhaken von Äußerlichkeiten.

Über Äußerlichkeiten hinweg blicken.
Gesellschaftlichen Tabus hinterfragen, mitunter brechen.
Wie Jesus:
Er achtet auf das Innere, auf das, was vom Herzen kommt.

Entscheiden

Gedanken zum 22. Sonntag, Lesejahr B
zu: Jos 24, 1-2a.15-17.18b und Joh 6, 60-69

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Entscheidungen wurden getroffen:

Von Petrus und den Aposten bei Jesus zu bleiben,
von Josua und seinem Haus Gott zugehörig zu sein.

Alternativlose Entscheidungen.
Diese Menschen haben ihre Erfahrungen gemacht,
die Entscheidung für Jesus und Gott ist für sie klar und fest,
nie und nimmer werden sie diese dem opfern, was kurzfristig als attraktiv erscheint. Und was fast alle machen.

Zu wem sollen wir gehen? Fragt Petrus stellvertretend. 
Das besagt alles.
Jesus / Gott ist keine Möglichkeit neben anderen Möglichkeiten,
Ihn suche ich mir nicht aus,
ihm muss ich mich nicht erklären, mich nicht vorstellen.

Wenn wir das wissen und mit unserem Kommen zeigen,
wie unsere Grundentscheidung ist,
heißt dass noch lange nicht, dass wir in allen Situationen uns immer wieder so entscheiden.
Manchmal scheint es peinlich zu sein – oder man setzt sich der Gefahr aus, aufzufallen und als ‚komisch‘ zu gelten.
Da hatten es die Menschen der Bibel vielleicht einfacher,
ihr Leben war überschaubarer,
die Möglichkeiten zwischen denen sie wählen konnten geringer.

Entscheidungen:
Manchmal regen sie mich auf:
Wenn ein Dreijähriger entscheiden soll, ob die Familie rechts oder links um den Teich laufen soll; 
wenn jemandem vorgegaukelt wird, er könne entscheiden – aber im Grunde steht schon alles fest;
wenn ich an meine Schwester denke, die Stunden damit verbringen konnte zu überlegen, was sie denn wohl anziehen solle…

Es gibt Menschen, die Zeit ihres Lebens für andere sichere Entscheidungen getroffen haben, aber wenn sie selber betroffen sind, sieht die Welt ganz anders aus!
Mitunter müssen weitreichende Entscheidungen in sehr kurzer Zeit gefällt werden. 
In Notfällen kann das wichtig sein,
aber in den meisten Fällen ist Zeit da, auch wenn sie meist aus wirtschaftlichen Gründen dem Entscheider nicht zugestanden wird.

Im Krankenhaus zum Beispiel. 
Da können gar keine Eingriffe ohne die Zustimmung des Betroffenen oder des Bevollmächtigten erfolgen. (Wenn kein Notfall vorliegt.)

Wie können wir tragfähige Entscheidungen fällen?

Das erste ist das Wahrnehmen der Entscheidung.
Bei den Aposteln und Josua lag es klar auf der Hand, 
was sie zu entscheiden hatten. Aber das ist nicht immer so. 
Manchmal gibt es das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas an der Entscheidungssituation nicht stimmt. 
Bevor Sie sich festlegen, klären Sie das!

Bereiten Sie ihre Entscheungen gut vor.
Überlegen Sie, was Sie eigentlich genau entscheiden müssen, 
wie die Entscheidungsfrage heißt.
Gibt es Alternativen? 
Was sind Ihre Handlungsmöglichkeiten? 
Gibt es Dinge, die Sie kurzfristig entscheiden können und andere, 
die mehr Zeit brauchen?
Passen die Entscheidungen zu Ihrem Leben und zu ihren Zielen?

Mit Kriterien abwägen.
Was ist Ihr erster Impuls? 
Was sagt Ihr Bauchgefühl?
Steht die Entscheidung in Übereinstimmung mit Ihren Grundwerten?
Wem nützt sie?
Gibt es Pro- und Kontraargumente?
Bekommen Sie durch das Ergenbis neue Energie?
Sind Sie sich selber gegenüber ehrlich – oder schieben Sie etwas vor? Meinen Sie ‚etwas machen zu müssen‘?

Versetzen Sie sich in die Handlungsmöglichkeiten.
Gibt es Ergebnisse, die klar herausfallen, 
die Ihnen keinen Frieden geben? 
Oder umgekehrt: Bei welchem Ergebnis fühlen Sie sich wohl, was spricht Ihnen aus dem Herzen?

Wenn Sie so weit sind, dann schlafen Sie eine Nacht darüber. 
Legen Sie sich nicht vorschnell fest.

Durchdenken Sie am nächsten Tag die Situation noch einmal 
und legen Sie sich fest. 
Treffen Sie die Entscheidung entschlossen. 
Und fragen Sie sich, nach einiger Zeit, welche Auswirkung die Entscheidung hatte.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Jünger die Jesus verlassen hatten, wollten sich ein Hintertürchen offenlassen. 
Sie wollten sich ihren Jesus so zurechtbiegen, dass er in ihr Leben passt. Dass Sie sich nicht verändern müssen.

Jesus verschärft diese Situation noch. 
Er kämpft nicht um sie, will sie unter allen Umständen halten. 
Im Gegenteil: Er sagt: ‚Daran nehmt Ihr Anstoss‘?
Was wird erst geschehen, wenn sie tieferen Einblick erhalten?

Was wird mit uns geschehen?

Weisheit: Salomon, Sokrates …

Gedanken zum 20. Sonntag im Lesejahr B
Sprichwörter 9,1-6

Lesung aus dem Buch der Sprichwörter
Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen.
Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt.
Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg:
Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie:
Kommt, esst von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte.
Lasst ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben, und geht auf dem Weg der Einsicht!

Was verbinden Sie mit Weisheit?

Mir fallen dazu antike Denker ein.
Vor allem Sokrates, der ungefähr 400 Jahre vor Christus lebte.

Er meint, ein Leben ohne ‚Selbsterforschung‘ sei nicht lebenswert.
Ein gutes Leben kann nur führen, wer herausfindet, was „Gut“ und „Böse“ ist.
Da das ‚absolute Begriffe‘ sind, kann jeder sie durch Fragestellungen herausfinden.

Sokrates begründet die „Dialektische Methode“ –
ein Gespräch zwischen ‚Spruch und Widerspruch‘.
Dabei hinterfagt er die gebenen Werte und zeigt keinen Respekt vor feststehenden Überzeugungen.
Er ist davon überzeugt, dass nicht das Wissen, sondern das Fragen bedeutsam ist.
Und die Erkenntnis: „ich weiss, dass ich nichts weiss!“

Ein Gepräch, von ihm geführt könnte so lauten:
Skeptiker: „Du denkst, die Götter wissen alles?“
Anderer: „Ja, denn sie sind Götter!“
Skeptiker: „Widersprechen manche Götter einander nicht?“
Anderer: „Natürlich tun sie das. Sie streiten unentwegt!“

Skeptiker: „Sie streiten auch über das, was wahr und richtig ist?“
Anderer: „Ich denke schon!“
Skeptiker: „So können sich die Götter bisweilen irren?“
Anderer: „Ich denke, das ist wahr.“
Skeptiker: „Also können die Götter gar nicht alles wissen!“

Für solche Methoden wurde er genötigt,
den Schierlingsbecher zu trinken und in den Tod zu gehen.

Da haben die Monotheisten es einfacher,
denn es gibt keine streitenden Götter.
Nur einen.
Dafür streitende Menschen.
Weise ist, wenn sie so argumentieren, wie es Sokrates vorgegeben hat.

Weisheit:
Ist der zentrale Begriff der Lesung heute.
In der Spruchsammlung des Königs Salomo,
der von ca. 970 – 931 vor Christus regierte, finden sich zu jeder Lebenslage Anregungen: Im Umgang mit Alkohol, Frauen, törichten und weisen Menschen.

Das Buch der Könige berichtet,
dass er zu Beginn seiner Amtszeit im Traum einen Wunsch von Gott frei hatte:
Salomo wünschte sich Weisheit.
Und die macht ihn berühmt und seine Regierungszeit erfolgreich.
Er baut den Tempel,
verfasst literarische Werke (zwei davon finden den Eingang in die Bibel),
befestigt Jerusalem,
unterhält ausgezeichnete Handelsverbindungen mit den Nachbarstaaten
und ist als Gesprächspartner begehrt:
Die sagenumwobene Königin von Saba sucht ihn auf,
um seine Weisheit kennenzulernen.
Nicht nur im Großen handelt er, sondern vor allem im Kleinen:
Da wo es darauf ankommt, tritt er als gerechter Richter auf.

Was ist nach Salomos Vorstellung Weisheit?
Sie handelt. Ist nicht passiv.
Sie baut „ihr Haus“, schafft einen Ort, von dem aus sie handeln kann.
Dieser Ort ist ästhetisch und beeindruckend:
Sie „behaut ihre sieben Säulen“.
Alle Details sind sorgfältig aufeinander abgestimmt.
Nichts wird dem Zufall überlassen.
Die Rahmenbedingungen sind stimmig und können von allen,
die dort streiten, akzeptiert werden.

Weisheit lädt ein:
Sie „schlachtet Vieh“, „mischt Wein“, „deckt den Tisch“ und „sendet Mägde aus“.
Ihr Ort ist nicht ihr alleiniges Zuhause zu dem niemand Zutritt hat.
Sie lässt andere daran teilhaben.
Sie weiß, dass Essen an ihrem Ort mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme.
Sie schafft einen Rahmen, indem Begegnungen geschehen können,
Lösungen gefunden werden.

Wo ist ihr Ort?
„Die Höhe der Stadtburg“!
Nicht in irgendwelche verworrene Niederungen lädt sie ein.
An „der Höhe“ kann man sich orientieren, sie ist richtungsweisend und herausragend.
Sie macht sich nicht gemein mit dem, was alle tun, oder meinen tun zu müssen,
sie zeigt deutliches Profil.

Weisheit umgibt sich nicht mit Ihresgleichen,
sondern wendet sich an Unerfahrene und Unwissende.
Von diesen hat sie im Grunde nicht viel zu erwarten!
Selbstlos lässt sie andere teilhaben an ihrem Leben.
Und sie nötigt niemandem ihre Weisheit auf sondern lädt ein,
den Weg der Einsicht zu gehen.
Den Weg der Einsicht ist das Leben.

Was haben wir von Sokrates und Salomon?
Weisheit heute hat viele Namen und Gesichter.
Manchmal meint man, die Weisheit des Alters nicht viel gelte.
Und das Weisheit reserviert sei für Philosophen und professionelle Denker.

Quatsch!
Es gibt Alltagsweisheit:
Ein weiser Entschluss des Einzelnen;
ein Rat, der vor Schaden bewahrt und die Erkenntnis,
dass jeder seine Weisheit selber erwerben muss.

Wie Sokrates es wusste.
Oder der chinesische Philosoph Meng-zi vor 2300 Jahren:
„Der Weise ist wie ein Bogenschütze. Dieser nimmt zuerst die richtige Stellung ein und schnellt dann den Pfeil ab. Wenn er trotzdem nicht das Ziel erreich, so gibt er nicht den anderen die Schuld, sondern sucht den Fehler bei sich.“

Entscheiden und Handeln: Gedanken zum 18.Sonntag im Jahreskreis

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt.
Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus:
Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen;
denn er selbst wusste, was er tun wollte.
Philippus antwortete ihm:
Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!
Jesus sagte:
Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras.
Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten;
ebenso machte er es mit den Fischen.
Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern:
Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt.
Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen.
Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Wenn man Bahn fährt,
kann man Überraschungen erleben.
Seit einem halben Jahr bin ich dabei und kann sagen:
Zu circa 60 -70% klappt alles wie es sein soll.
Spannend sind die anderen 30 – 40 %.

Das fängt bei der Information an.
Oft stehen Züge auf der Infotafel, die schon weg sind.
Man kommt abgehetzt zum Bahnhof und hat die Hoffnung: 
„Das schaffe ich noch!“. Hechelt bei diesen Temperaturen siffige Treppen hoch und stellt fest: „War nichts!“
Oder unzählige Verspätungen.
Oder Halt auf freier Strecke und keiner weiss, was passiert.
Schienenersatzverkehr ist auch eine spezielle Erfahrung.
Schulbusse, gefühlt aus Zeiten, wo ich selbst noch zur Schule ging, donnern durch enge und kurvige Straßen, sind schrecklich laut…
Oder man glaubt, man habe ein gültiges Ticket – aber Pustekuchen!
Fahrpreisnacherhebung. Mit 14-tägiger Einspruchsfrist…

Bei all dem Ärger:
Ich glaube, es ist besser Bahn zu fahren,
als den Individualverkehr zu fördern,
als auf der A 2 im Stau zu stehen,
als in Dortmund eine halbe Stunde vor dem Parkhaus zu warten.
Zu ca. 65 % passt es ja…
Und ich weiss, dass so ein komplexes System Bundesbahn mit vielen Unwägbarkeiten störanfällig ist.

Ich bin froh für die getroffene Entscheidung gegen das Auto,
die mir und vermutlich der Umwelt mehr Nutzen bringt als Schaden.

Nicht immer sind Entscheidungen so einfach.
Manchmal haben wir nur die Möglichkeit zwischen ‚Pest‘ und ‚Cholera‘.
Was immer ich tue:
Es hat keinen Nutzen oder schlimmer: Es endet in einer Katastrophe.
Bestimmt fallen Ihnen Beispiele ein…

Ethik versucht diese Dilemmata auf den Punkt zu bringen indem sie z.B. folgende Situation vor Augen stellt:

„Stellen Sie sich vor, Sie sind Weichensteller bei der Strassenbahn.
Eigentlich ein gut zu meisternder Beruf. Aber an diesem Tag kommt ihrer Weiche, auf abschüssiger Strecke, eine Bahn entgegen, die nicht bremsen kann.
Verstellen Sie die Weiche nicht, rast sie in eine Gruppe von fünf Gleisarbeitern die in die andere Richtung schauen und Hörschutz tragen. Sie werden keine Chance haben.
Wenn Sie die Bahn auf das Nebengleis lenken, wird ihr schwerhöriger Sohn, der gedankenverloren auf dem äußerst selten genutzten Gleis spielt, überfahren. Was tun Sie?“

Wenn wir uns in solchen ‚Einsamsten Situationen der Welt‘ befinden –
wo finden wir Antworten?
Was ist richtig, was ist falsch?
Sollen wir wegrennen, weil uns die Entscheidung überfordert?

Jesus ist im heutigen Evangelium in einer ähnlichen Situation.

Einsame Gegend, weitab von irgendwelcher Infrastruktur.
Überforderte Menschen sind zu ihm gekommen, 
‚Schafe, die keinen Hirten haben’.
Sie kleben an seinen Lippen. In ihrer auf ihn fixierten Hoffnung haben sie den Sinn für die Alltagsrealität aus den Augen verloren.
Überforderte Jünger, die über mangelnde Geldvorräte nörgeln, und nur einen kleinen Jungen mit fünf Broten und zwei Fischen auftreiben.
Da liegt es doch nahe, sich aus der Affäre zu ziehen!

Jesus handelt anders.
Er kennt die unzähligen persönlichen Dilemmata, die Menschen bedrücken.
Er gönnt ihnen die Stunde des Aufatmens.
Er weiß, dass er auf die meisten ihrer Fragen keine konkreten Antworten geben kann.

Und dann er handelt auf das Problem hin, dass alle haben. 
Dass sie verbindet.
Und dass sie – vermutlich – zufrieden den Weg nach Hause zurück gehen lässt.

Wenn wir das Evangelium so deuten, dass nicht die Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden, dann handelt Jesus vielleicht so:

Nicht: „Jeder soll sich selber helfen!“
Und er gibt sich auch nicht mit der Lösung der Jünger zufrieden.
Handelt nicht schnell. Wendet nicht die erst beste Lösung an.
Schaut genau hin. Übernimmt Verantwortung. Sagt was zu tun ist. Ermöglicht Gemeinschaft.
Das, was die Menschen vielleicht doch dabei hatten, wird miteinander geteilt.
Und wenn es nichts ist, dann ist doch die Stimmung so, dass der Hunger vergessen wird…
Das Gutes im Übermaß bleibt.

Aber löst Jesus das Dilemma?
Nicht ganz.
Denn die Menschen haben nichts verstanden.
Sie wollen ihn zu ihrem Partikularkönig, ihrem Brötchenkönig machen.
Sie wollen ihn in ihr Sytem einordnen.
Aber das ist nicht sein Weg.
Der führt ihn auf einen einsamen Berg.

Seine Berg-Antwort auf die großen Fragen, denen wir ausgesetzt sind lautet vielleicht:
„Schottet euch nicht ab.“
„Schlagt euch nicht alleine durch.“
„Sucht nicht euren eigenen Vorteil.“
„Teilt – und alle werden satt.“

(Foto von Christa Hennecke)

Gedanken zum 15. Sonntag B: Amos, Jesus und der Wanderstab…

Hier die biblischen Texte, die folgende Gedanken inspiriert haben:

Lesung aus dem Buch Amos
In jenen Tagen sagte Amazja, der Priester von Bet-El, zu Amos: Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot, und tritt dort als Prophet auf!
In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden; denn das hier ist ein Heiligtum des Königs und ein Reichstempel.
Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen.
Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.
Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.
Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

„Geh, zieh dich zurück!“
„Du bist hier nicht erwünscht.“
„Wir brauchen deine Meinung nicht, 
wir lassen uns nicht von dir verunsichern!“
„Du nervst, du störst, stellst unser Leben, unsere Kultur und unseren Glauben in Frage!“
„Du irritierst und spaltest die einfachen Leute!“

Schwestern und Brüder,
so schallt es Amos, dem von Gott gerufenen Proheten, entgegen.

Erinnert Sie das an etwas, was Heute aber tausendfach geschieht?

„Hier ist unser Reichsaltar!“
In zehn Jahren, wenn es so weiter geht, wird man vielleicht (wieder) sagen: ‚Hier ist unser Reich!‘
„Fremde haben da nichts zu suchen!
„Ab, Amos, flüchte ins Land ‚Juda‘. Iss dort dein Brot und lass uns in Ruhe.“

Heute heisst es:
„Abschieben, gleich an der Grenze!“
Und wenn nicht möglich:
„Transitzentren, gleich an der Grenze.“
Noch besser:
„Flüchtet woanders hin!“ “ Hier gibt es nichts zu holen.“

Wir sind zwar so ziemlich das reichste Land der Welt, aber unsere Sozialkassen können nie und nimmer mehr belastet werden.
Schon komisch, wie das Geld in unserem Land verteilt ist. Und wer eigentlich Verantwortung für Menschlichkeit tragen sollte.
Schon komisch, dass solche Denkmuster in unserem Land möglich sind:
„Unser Recht, unsere Rechtsstaatlichkeit hat Vorrang vor Deinem Menschenleben!“

Und was sagt Amos aus der Bibel?
„Der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt.“

Schwestern und Brüder,
hat der „Herr“ die ‚Migranten‘ aus ihren Heimatländern weggeholt?

Oder wurden sie vertrieben von korrupten Politikern mit Produkten unserer Waffenindustrie, die HIER Arbeitsplätze garantieren?
Oder wurden sie vertrieben von UNSEREN Lebens- und Ess-gewohnheiten,
die die Erderwärmung vorantreibt und ein Leben in der Heimat verunmöglicht?
Oder wurden sie vertrieben von UNSEREN Konzernen, 
die den Menschen in Afrika oder auf den Fidschiinseln  z.B. das ‚Grundrecht auf Wasser‘ vorenthalten, um es tausende Kilometer weiter zu vermarkten? Sehr exotisch!
Dabei brauchen wir nur den Wasserhahn aufmachen, solange es diese Konzerne nicht schaffen, auch UNS das ‚Grundrecht auf Wasser‘ mit Hilfe unserer Volksvertreter abzusprechen…

Schwestern und Brüder,
als ‚Viehzüchter‘ hatte Amos bestimmt einen Wanderstab dabei.

Ein Hilfsmittel,
dass Jesus denen zuspricht, die er aussendet.
Die ER selber auf den Weg bringt.
Die ER selber mit Vollmacht ausstattet.
Die ER nicht allein ziehen lässt,
nicht einsam, nicht selbstbezogen auf sich, sondern zu zweit.
Im Gegenüber. Sich korrigierend. Sich streitend. Sich motivierend.

Und DIESE haben den Wanderstab, der sie daran erinnert,
sich nicht festzusetzen sondern unterwegs zu bleiben.

Der Stab ist bis Heute geblieben.
Er erinnert dass wir eine Religion der Wege sind.
Nicht sesshaft.
Nicht an Häuser, nicht an Kirchen gebunden.

Die Ausstattung, die Jesus den Seinen nahelegt:
So wenig wie möglich.
Fast Nichts.
Alles andere macht schwerfällig.
Wer nichts mitnimmt, muss auf nichts aufpassen.
Wessen Koffer leicht ist, der legt längere Wege zurück.

Die Plastiktüten,
der Menschen, die nicht im Mittelmeer ertrunken sind, sind fast leer.
Trotzdem oder gerade deswegen geben sie die Hoffnung nicht auf.
Auch wenn Sie es nicht schaffen und am Ende in die „sichere Heimat“ oder in die Folterlager der lybischen Wüste ‚zurück geführt werden‘.

Schwestern und Brüder,
diese Rückgeführten sind Jesus näher als die,
die Rückfühungen veranlassen oder die sie durchführen MÜSSEN.

Die unser vermeintliches Recht und unseren Wohlstand schützen.

Es braucht es Mut, sich zu entscheiden:
„Wofür stehe ich?“
„Wofür lebe ich?“
„Was ist mir wichtig?“
„Hat ein Menschenleben Vorrang vor meinem Privateigentum?“

Es brauch Mut, Sachen zu lassen:
Gegenstände die unbeweglich machen,
Masterpläne und auch Kirchengesetze, 
die Menschen ausgrenzen und spalten.
Strukturen, die nicht MIT, sondern GEGEN andere mit viel Aufwand aufrecht gehalten werden.

Je mehr sich ansammelt, umso mehr gilt es zu schützen, zu bewahren und zu verteidigen.
Zäune um solche Festungen sind hoch, Eisengitter dicht, Schlösser dick,
die Abwehrmechanismen beeindruckend oder Abstand gebietend.
Und:
Man braucht Wächter um sie zu schützen.
Man braucht Gewalt, um ‚diese Art Schutz‘ durchzusetzen.
Man braucht Gewissenlosigkeit, Skrupellosigkeit,
um Menschen offenen Auges ertrinken zu lassen.

Jesus braucht „nur“ Menschen, die mit einem Wanderstab unterwegs sind.

‚es fließt anders als es soll‘ Gedanken zum Sonntagsevangelium vom 1.7.2018

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
In jener Zeit fuhr Jesus im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war,
kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.
Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.
Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.
Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.
Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?
Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.
Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?
Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur!
Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten,
trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.
Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.
Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.
Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Eine Berührung nur:

Vielleicht kriegt es niemand mit.

Es wirkt so, als wäre es rein zufällig.

Im Vorübergehen den anderen streifen.

Das bleibt unbeobachtet.

Warum?

Es ist zu peinlich.

Es wieder erklären.

Vor all den Leuten.

Und dabei keine Kontolle haben über den Ausfluss.

Das Blut kommt einfach. 

Jeder sieht es tropfen.

Die Folgen:

Mein Lebenshorizont wird immer enger.

Ich traue mich nicht mehr aus dem Haus.

Obwohl ich so Vieles probiert habe.

Zig Spezialisten aufgesucht.

Demütigungen

Ja, mich demütigen lassen: 

Die peinlichsten Stellen zeigen, berühren und behandeln lassen.

Ich weiss schon vorher: Es wird nichts nutzen. 

Nur unendlich viel Geld kosten.

Und dann kommt es wieder, das verfluchte Blut.

Fragen
Warum ausgerechnet ich?

Wie lange wird es noch reichen, das Geld? 

Was mache ich, wenn ich völlig verarmt bin?

Vielleicht gibt es einen Grund für die Krankheit.

Aber ER hat doch selber gesagt, dass niemand durch Krankheiten bestraft wird. Nicht für sein Handeln oder dass der Eltern.

Und, wenn es anders ist, ist der Grund schwerwiegend genug, 

mich mein ganzes Leben zu strafen?

Peinlich.

So peinlich. 

Immer wieder den Ärzten von der Blutung erzählen. 

In jeder Einzelheit. 

Sie dabei ansehen müssen, 

die professionelle Masken, die sie dabei aufsetzen, um ihre Gefühle nicht zu verraten.

Dann das Bewusstsein, dem Arzt die Zeit zu stehlen.

Nicht wichtig zu sein.

Verdammt zu sein.

Hoffnung

Immer wieder auf eine neue Therapie.

Das es irgendwann besser werden muss. 

Ich bin doch noch nicht alt. Habe das Leben noch vor mir!

Und es dann wieder und wieder erzählen.

Mittlerweile werde ich dabei nicht mehr rot. 

Härte ab. Spalte ab.

Das Ende: Umsonst, kein Ergebnis.

Das Blut läuft. 

Nicht in den Adern. Aus dem Geschlecht.

Dann kommt Jesus

Ich weiss, er muss weiter. 

Ein Kind, das zu sterben droht.  

Von hochgestellten Leuten.

Er hat keine Zeit.

Ich darf nicht stören.

Er muss doch all seine Kraft zum Guten auf das Mädchen hin focussieren.

Er wird abgeschirmt von den Jüngern.

Die Chance

Eine Lücke.

Eine Brührung.

Den Atem anhalten. 

Die Zeit steht still.

Der Augenblick meines ganzen Lebens.

Kraft spüren

Es kribbelt. 

Wie ein leichter Stromschlag.

Geht durch den ganzen Körper, lässt mich taumeln.

Ganz anders als bei den Ärzten und Therapeuten.

Viel tiefer. 

In die Mitte.

Und sie strahlt aus, Kraft, die erfüllt.

Er bleibt stehen

Irritiert. 

Wütend. 

Nicht verstehend.

Ich werde bleich.

Das Blut fliesst nicht mehr.

Ich glaube, es wird gut.

Sein Blick schweift umher. 

Seine Stimme voller Autorität.

‚Wer war das?‘

‚War da was?‘ – fragen die Jünger.

‚Lass dich nicht aufhalten, bevor es zu spät ist.‘

Schlechtes Gewissen

Ist es zu spät für das Mädchen?

Ist mein unverdientes, erbärmlich erschlichenes Glück das Unglück für das Kind? 

Für seine Familie?

Kann ich das Unwiderrufliche wieder gut machen?

Sein Blick trifft

Ins Herz.

Er weiss, dass ich es war.

Und noch mehr, er versteht.

Meine Verzweiflung. Meine Ausweglosigkeit. Meine Einsamkeit.

Ich sehe es.

Ich muss

Dazu stehen.

Auch wenn es alle Überwindung kostet.

Auch wenn die Leute gaffen.

Knallrot trete ich vor. 

Eingentlich der schlimmeste Augenblick meines Lebens.

Aber das spüre ich gar nicht.

Ich sehe nur ihn.

Knie mich hin.

Und mit gebrochener Stimme flüstere ich: 

‚Ich war es.‘

Die Welt steht still.

Seine Stimme

Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! 

Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

Ausländische Priester in Bayern

Ende Mai habe ich eine eindrucksvolle Dokumentation über ausländische Kollegen gesehen, die in bayrischen Bistümern eingesetzt sind.
Nachhaltig hat mich der Satz beeindruckt, dass diese Menschen in ihren Heimatkulturen wegen ihrer Tätigkeit geschätzt und beliebt waren. Das ist an ihren derzeitigen Arbeitsplätzen völlig anders, hier gelten sie ‚fast Nichts‘.
Dabei versuchen sie auf persönliche Weise, die Situation anzunehmen und den Menschen zu begegnen.

 

Die Sendung lohnt sehr!